Auch Immunzellen kennen Tag und Nacht
Unser Körper besitzt eine innere Uhr. Sie beeinflusst Schlaf, Körpertemperatur, Hormone, Verdauung – und auch das Immunsystem.
Viele Immunzellen verfügen selbst über molekulare „Uhren“. Dadurch können sich beispielsweise ihre Aktivität, ihre Wanderung durch den Körper und bestimmte Reaktionen im Tagesverlauf verändern. Die Immunabwehr läuft also nicht einfach morgens um acht an und wird abends ausgeschaltet. Vielmehr werden Prozesse zeitlich aufeinander abgestimmt.
Das ergibt durchaus Sinn: Unser Körper muss nicht zu jeder Minute sämtliche Systeme auf maximale Leistung stellen. Er versucht vielmehr, Energie sinnvoll einzusetzen, Reparaturprozesse zu koordinieren und auf die Anforderungen des Tages zu reagieren.
Ein gut funktionierendes Immunsystem bedeutet deshalb nicht: immer Vollgas.
Es bedeutet vor allem: im richtigen Moment richtig reagieren.
Die spannendste Grenze liegt nicht irgendwo tief im Körper
Noch ein verbreitetes Bild stimmt nur bedingt: Krankheitserreger dringen ein – und dann beginnt das Immunsystem zu arbeiten. Tatsächlich beginnt Abwehr viel früher.
Unsere Haut und vor allem unsere Schleimhäute gehören zu den wichtigsten Kontaktflächen zwischen Körper und Außenwelt. Nase, Mund, Atemwege und Verdauungstrakt sind jeden Tag mit unzähligen Stoffen und Mikroorganismen konfrontiert.
Hier muss der Körper permanent unterscheiden:
• harmlos oder problematisch?
• körpereigen oder fremd?
• ignorieren oder reagieren?
Das ist eine bemerkenswerte Leistung. Würde unser Immunsystem auf alles reagieren, was von außen kommt, wäre ein normales Leben kaum möglich. Schließlich gelangen auch Nahrung, Pollen und unzählige harmlose Mikroorganismen mit uns in Kontakt.
Gute Immunarbeit besteht deshalb nicht nur darin, etwas abzuwehren. Ebenso wichtig ist die Fähigkeit, angemessen zu reagieren und wieder herunterzufahren.
Ein Immunsystem muss nicht möglichst aggressiv sein
Vielleicht ist genau das einer der größten Irrtümer rund um unsere Abwehr.
„Stärker“ klingt automatisch besser. Biologisch geht es jedoch viel mehr um Balance und Regulation.
Das Immunsystem muss Gefahren erkennen und reagieren können. Gleichzeitig braucht es Mechanismen, die Immunreaktionen regulieren. Denn jede Immunreaktion kostet Energie und beansprucht den Körper.
Man könnte sagen:
Eine gute Feuerwehr zeichnet sich nicht dadurch aus, dass ständig irgendwo Wasser gespritzt wird. Sie muss erkennen, wann es brennt – und wann nicht.
Ähnlich arbeitet auch unsere Immunabwehr: aufmerksam, differenziert und möglichst präzise.
Kann sich sogar die angeborene Abwehr etwas „merken“?
Beim immunologischen Gedächtnis denken viele an Antikörper sowie bestimmte B- und T-Zellen. Sie gehören zur sogenannten erworbenen oder adaptiven Immunabwehr und können Informationen über frühere Kontakte speichern.
In den vergangenen Jahren ist jedoch ein weiterer Bereich stärker in den Fokus der Forschung gerückt: die sogenannte „trained immunity“ – die trainierte angeborene Immunität.
Denn offenbar kann auch die angeborene Immunabwehr durch frühere Reize längerfristig beeinflusst werden. Bestimmte Immunzellen beziehungsweise ihre Vorläufer verändern dabei unter anderem Stoffwechsel- und Regulationsprozesse und können bei späteren Kontakten anders reagieren.
Das bedeutet nicht, dass Immunzellen wie ein Gehirn Erinnerungen abspeichern. Es zeigt aber, wie anpassungsfähig unsere Abwehr tatsächlich ist.
Unser Immunsystem ist also kein starres Schutzprogramm. Es beobachtet. Es kommuniziert. Es passt sich an. Für diesen Dauerbetrieb braucht der Körper Nährstoffe
All diese Prozesse laufen nicht im luftleeren Raum ab. Immunzellen müssen gebildet, Signale weitergegeben und zahlreiche Stoffwechselvorgänge gesteuert werden. Dafür benötigt der Körper neben Energie auch verschiedene Vitamine und Mineralstoffe.
Einige davon übernehmen nachweislich Funktionen im Immunsystem. So tragen beispielsweise Vitamin C, Vitamin D, Vitamin B6, Folat, Zink und Selen zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei.
Im Idealfall liefert eine abwechslungsreiche Ernährung die benötigten Nährstoffe. Doch der Alltag sieht nicht immer ideal aus: einseitige Ernährung, wenig frische Lebensmittel, besondere Lebensphasen oder ein individuell erhöhter beziehungsweise nicht ausreichend gedeckter Bedarf können dazu führen, dass die Versorgung stärker in den Blick rückt.
Gerade dann lohnt es sich, nicht erst an das Immunsystem zu denken, wenn ringsum alle husten und schniefen.
Versorgung statt „Immunsystem-Turbo“
Vielleicht liegt genau hier der sinnvollere Ansatz.
Auch ein gut versorgtes Immunsystem ist kein Schutzschild gegen alles – und das sollte auch gar nicht das Ziel sein. Es kann jedoch dazu beitragen, die tägliche Versorgung mit ausgewählten Mikronährstoffen zu ergänzen.
Das ist ein wesentlicher Unterschied.
Denn statt die Abwehr vermeintlich „hochzufahren“, geht es darum, dem Körper Nährstoffe zur Verfügung zu stellen, die er für seine normalen Funktionen benötigt.
Und weil das Immunsystem nicht erst im Winter anfängt zu arbeiten, ist auch die Nährstoffversorgung kein reines Erkältungszeit-Thema.
Frühschicht. Spätschicht. Jeden Tag.
Während wir schlafen, arbeiten, essen oder unterwegs sind, läuft im Hintergrund ein hochkomplexes Netzwerk weiter.
Millionen Zellkontakte, Signale und Kontrollmechanismen sorgen dafür, dass unser Immunsystem seinen Aufgaben nachkommen kann. Viele dieser Vorgänge bemerken wir überhaupt nicht. Und vielleicht ist genau das der beste Grund, die eigene Versorgung nicht erst dann zum Thema zu machen, wenn der Körper bereits besonders gefordert ist.
Denn wer täglich im Einsatz ist, braucht auch täglich eine gute Basis.